Zeitpunkte für den Obstbaumschnitt

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Immer wieder stellt sich die Frage: Wann ist der richtige Zeitpunkt für den Schnitt von Obstbäumen? Im wesentlichen wird dann darauf verwiesen, dass Apfel und Birne im Winter, Kirsche und Pflaume im Sommer und Pfirsiche vor bzw. während der Blüte geschnitten werden. Für den Schnitt von Altbäumen, die regelmäßig gepflegt wurden, ist dieses so anwendbar.
Daneben gibt es einige Gründe von diesem Grundschema abzuweichen, da mit dem Schnitt ja bestimmte Ziele verfolgt werden. Diese reichen vom Aufbau der Krone bei Jungbäumen, über die Erneuerung des Fruchtholzes und die Förderung des Ertrags, die Revitalisierung von vergreisten Obstbäumen bis zu Schnittmaßnahmen allein zum Erhalt des Baumes.
Der Baumschnitt im Winter fördert das Wachstum, der Schnitt im Sommer bremst es. Dabei ist mit dem Winterschnitt die Zeit zwischen November und Mitte April gemeint. Danach nimmt die Wachstumsförderung rapide ab. Für den Sommerschnitt ist die günstigste Zeit nach dem Junifall und dem Triebabschluß der Kurztriebe (Endknospe am Kurztrieb wird ausgebildet), etwa im Juli und August.

Erziehung von Jungbäumen

Der günstigste Zeitpunkt zum Schnitt junger Obstbäume und dem Aufbau der Krone liegt im März, wenn keine starken Fröste mehr zu erwarten sind. Beim Jungbaumschnitt geht es in erster Linie um die Förderung des Wachstums und die Kronengestaltung. Daher wird der Schnitt auf die entsprechend liegenden Knospen der einjährigen Triebe geführt, und diese könnten durch Frosteinwirkung an der Schnittstelle absterben. Ein früherer Schnittzeitpunkt ist aber auch möglich, dann sollte über der angeschnittenen Knospe ein Zapfen verbleiben, der dann im nächsten Jahr entfernt werden muß. Durch den Zapfen wird die Knospe vor dem Frost geschützt. Bei frostgefährdeteren Obstarten, etwa Pfirsichen und Aprikosen, ist es aber sicherer den Schnitt im Frühjahr durchzuführen.

Schnitt von Altbäumen

Der Zeitpunkt für den Schnitt von Altbäumen (Apfel und Birne) sollte vor allem vom Zustand des Baumes her bestimmt werden. Bäume, die kein Triebwachstum mehr zeigen, nur noch altes, quirliges Fruchtholz haben, werden im Winter geschnitten. Auch hier soll das Wachstum angeregt werden, wenn auch nicht unbedingt in der Höhe sondern im Fruchtholz. Ebenfalls im Winter erfolgt der Schnitt zum Neuaufbau von Kronen und die regelmäßige Kronenpflege.
Ist der Baum in den letzten Jahren zu stark geschnitten worden und hat mit starker Neutriebbildung reagiert, empfiehlt sich zunächst ein Schnitt im Sommer. Damit kann die Krone ausgelichtet werden, ohne weiteres starkes Wachstum zu provozieren. Ebenfalls können Bäume im Sommer geschnitten werden, die ein gleichmäßiges gutes Triebwachstum aufweisen, deren Krone aber zu dicht geworden ist. Mit dem Schnitt im Sommer kann so die Qualität der sich neu bildenden Fruchtknospen und die Ausreifung des Obstes günstig beeinflußt werden.
Größere Schnitteingriffe, etwa die Entnahme starker Äste, werden am besten im Sommer (möglicherweise in Kombination mit einem Winterschnitt) vorgenommen. Hintergrund ist die bessere Wundheilung und Fähigkeit des Baumes zur Abschottung der Schnittflächen. Letzteres ist einer der Gründe, warum Altbäume der Steinobstsorten besser im Sommer geschnitten werden. Sie sind deutlich anfälliger für Infektionen über die Schnittwunden als Kernobst.